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Teilverkauf-Check: Versteckte Kostenfalle oder faire Lösung?

Ein Immobilien-Teilverkauf klingt im ersten Moment verlockend: Sie wandeln „Betongold“ in sofort verfügbares Bargeld um, behalten aber durch ein Nießbrauchrecht die volle Kontrolle über Ihr Zuhause. Doch dieser Komfort hat seinen Preis.

Anders als bei einem klassischen Kredit zahlen Sie beim Teilverkauf ein monatliches Nutzungsentgelt – faktisch eine Miete für den Anteil Ihres Hauses, der Ihnen gar nicht mehr gehört.

Viele Anbieter werben mit niedrigen Einstiegshürden, verschweigen aber im Kleingedruckten die langfristige finanzielle Belastung. Neben den laufenden Kosten lauern oft einmalige Durchführungsentgelte und die berüchtigte 117 %-Wertsicherungsklausel, die das gesamte Marktrisiko auf Sie oder Ihre Erben abwälzt.

Nutzen Sie unseren Teilverkauf-Kosten-Rechner um folgende Faktoren zu ermitteln:

  • Gesamtkosten: Erfahren Sie, wie viel Sie über die gesamte geplante Wohndauer inklusive aller Gebühren tatsächlich zurückzahlen.
  • „Miet-Effekt“: Kalkulieren Sie das monatliche Nutzungsentgelt und sehen Sie, wie es Ihre Liquidität über die Jahre schmälert.
  • Rückkauf-Risiko: Verstehen Sie, welche Auswirkungen Klauseln wie die Mindestvergütung (117 %-Regel) auf den Wert Ihres verbleibenden Erbes haben.
Teilverkauf-Kosten-Rechner | Was kostet der Teilverkauf wirklich?
VOLLKOSTEN-CHECK

Teilverkauf-Kosten-Rechner:
Was kostet der Teilverkauf wirklich?

Erhaltene Liquidität vs. verlorene Substanz

Auszahlungsbetrag(Teilverkaufssumme) Sofortauszahlung
100.000 €
20.000 € 500.000 €

Der Betrag, den Sie vom Teilverkaufsanbieter erhalten.

Laufzeit(geplante Wohndauer) Jahre
15 Jahre
5 Jahre 30 Jahre
Nutzungsentgelt(jährlich) % p.a.
5,0 %
3,0 % 7,0 %

Marktüblich sind ca. 4,5–5,5 % pro Jahr auf den verkauften Anteil.

Die wahren Kosten des Teilverkaufs

Nach 15 Jahren Laufzeit:

Erhaltene Liquidität
100.000 €
Einmalige Auszahlung
Verlorene Substanz
181.000 €
Gesamtkosten über die Laufzeit
Liquidität vs. Kosten im Vergleich
Sie erhalten
100.000 €
Sie zahlen insgesamt
181.000 €
Das Nutzungsentgelt: Die „Miete an sich selbst"
Monatliche „Miete"
417 €
Jährliche Belastung
5.000 €
Über 15 Jahre
75.000 €
Sie zahlen Miete für einen Teil Ihres eigenen Hauses – obwohl Sie weiter darin wohnen.
Kostenaufstellung
Durchführungsentgelt 6 % der Auszahlung (einmalig)
6.000 €
Nutzungsentgelt gesamt 5,0 % × 15 Jahre
75.000 €
117 %-Klausel (Wertsicherung) Risiko bei Wertstagnation
+ 17.000 €
Gesamtkosten (im schlechtesten Fall)
181.000 €
Für jeden erhaltenen Euro zahlen Sie zurück:
1,81 €
Das entspricht einem Effektivzins von ca. 12,5 % – deutlich teurer als jeder „normale" Kredit.
Verkaufter Anteil (bei 400.000 € Immobilie)
25 %
Kosten pro Monat (Durchschnitt)
1.006 €
Mehrkosten vs. Auszahlung
+81.000 €
Ihre Berechnung im Überblick

Für eine Auszahlung von 100.000 € über eine Laufzeit von 15 Jahren zahlen Sie ein monatliches Nutzungsentgelt von 417 € – das sind 5.000 € pro Jahr.

Insgesamt belaufen sich die Kosten auf 181.000 € (inkl. Durchführungsentgelt und 117 %-Klausel). Das bedeutet: Sie zahlen 81.000 € mehr zurück als Sie erhalten haben.

Was ist die 117 %-Klausel?

Das Rückkauf-Risiko: Bei vielen Teilverkaufsanbietern ist im Vertrag festgelegt, dass Sie den verkauften Anteil bei Auszug oder Verkauf zu mindestens 117 % des ursprünglichen Kaufpreises zurückkaufen müssen – selbst wenn die Immobilie im Wert gefallen ist.

Beispiel: Sie verkaufen 25 % für 100.000 €. Fällt der Immobilienwert auf 350.000 € (25 % = 87.500 €), müssen Sie trotzdem 117.000 € für den Rückkauf zahlen. Diese Differenz von 29.500 € (117.000 € - 87.500 €) ist Ihr zusätzliches Risiko.

So funktioniert die Berechnung

Durchführungsentgelt: Eine einmalige Gebühr, die der Anbieter für die Abwicklung des Teilverkaufs berechnet – typischerweise 6 % der Auszahlungssumme.

Durchführungsentgelt = Auszahlung × 6 %

Nutzungsentgelt: Eine Art „Miete" für den verkauften Anteil, die Sie monatlich an den Teilkäufer zahlen – typischerweise 4,5–5,5 % pro Jahr auf den verkauften Anteil.

Nutzungsentgelt/Jahr = Auszahlung × Nutzungsrate
Nutzungsentgelt/Monat = Nutzungsentgelt/Jahr ÷ 12
Nutzungsentgelt gesamt = Nutzungsentgelt/Jahr × Laufzeit

117 %-Klausel: Viele Anbieter garantieren sich vertraglich mindestens 117 % des ursprünglichen Kaufpreises bei Rückkauf – selbst wenn die Immobilie im Wert gefallen ist.

Klausel-Aufschlag = Auszahlung × 17 %
Gesamtkosten = Durchführungsentgelt + Nutzungsentgelt gesamt + Klausel-Aufschlag

Kennzahlen: Das Kostenverhältnis zeigt, wie viel Euro Sie pro erhaltenem Euro zurückzahlen. Der vereinfachte Effektivzins macht die jährliche Belastung mit einem klassischen Kredit vergleichbar.

Kostenverhältnis = Gesamtkosten ÷ Auszahlung
Effektivzins p.a. ≈ (Gesamtkosten ÷ Laufzeit) ÷ Auszahlung × 100

Rechtliche Hinweise

Fazit: Der Immobilien-Teilverkauf – Teure Liquidität mit versteckten Hebeln

Der Teilverkauf-Vollkosten-Check macht eine mathematische Wahrheit unmissverständlich klar: Ein Immobilien-Teilverkauf ist eine der kostspieligsten Formen, um Liquidität aus dem Eigenheim zu ziehen.

Während das Modell mit schneller Auszahlung und lebenslangem Wohnrecht wirbt, offenbart die Vollkostenrechnung eine massive finanzielle Belastung, die weit über das monatliche Nutzungsentgelt hinausgeht.

Besonders kritisch ist die Kombination aus dem laufenden Entgelt und der sogenannten 117 %-Klausel (Wertsicherungsklausel). Diese führt dazu, dass Sie bei einem späteren Rückkauf oder Gesamtverkauf mindestens 117 % der ausgezahlten Summe an den Anbieter zurückgeben müssen – unabhängig von der tatsächlichen Marktentwicklung.

Zusammen mit dem Durchführungsentgelt von oft 5,5 % entstehen so „Sunk Costs“, die Ihren verbleibenden Erbwert drastisch reduzieren können. Ein Teilverkauf ist daher weniger ein klassischer Immobilienverkauf als vielmehr ein extrem teures Darlehen, bei dem Sie die Kontrolle über einen Teil Ihres Vermögens abgeben.

Die wichtigsten Erkenntnisse aus Ihrem Check:

Effektivzins-Schock

Rechnet man alle Gebühren und Klauseln auf die Laufzeit um, liegt der effektive Jahreszins oft deutlich im zweistelligen Bereich.

Die 117 %-Falle

Sie zahlen garantiert mehr zurück, als Sie erhalten haben – dieser „Verlust“ ist bereits am Tag der Unterschrift fest eingepreist.

Monatliche Belastung

Das Nutzungsentgelt ähnelt einer Miete für Ihr eigenes Haus und kann bei steigenden Zinsen (sofern variabel vereinbart) zur finanziellen Last werden.

Eingeschränkte Freiheit

Trotz Wohnrecht sind Sie bei Sanierungen oder einem späteren Gesamtverkauf immer auf die Zustimmung des Teilkäufers angewiesen.

Ihre nächsten Schritte zur intelligenten Vermögenssicherung

Wahre finanzielle Souveränität bedeutet, teure Sackgassen zu vermeiden und stattdessen Hebel zu nutzen, die Ihr Vermögen schützen. Bevor Sie einen Teilverkauf unterschreiben, sollten Sie folgende Alternativen prüfen:

1. Bank-Finanzierung als günstigere Alternative

Oft ist ein klassischer Kredit für Senioren (Zinszahler-Modell) wesentlich günstiger als ein Teilverkauf. Prüfen Sie, wie die Banken Ihre Immobilie bewerten.

Immobilien-Liquiditäts-Check für Senioren: Vergleichen Sie hier direkt die Kosten eines Bankdarlehens mit Modellen wie dem Teilverkauf.

Beleihungsauslauf-Rechner: Ermitteln Sie, wie viel Kredit Sie bei Ihrer Bank basierend auf Ihrem Immobilienwert realistisch erhalten könnten.

2. Die Auswirkungen auf das Erbe simulieren

Wenn Ihnen der Erhalt des Familienvermögens wichtig ist, müssen Sie die langfristige Schuldenlast verstehen.

Was bleibt für meine Erben? Rechner: Sehen Sie, wie viel vom Hauswert nach 10 oder 15 Jahren bei verschiedenen Modellen noch übrig ist.

3. Zinsrisiken kalkulieren

Falls Sie sich für ein Modell mit laufenden Zahlungen (Nutzungsentgelt oder Zins) entscheiden, machen Sie den Belastungstest.

Zins-Stress-Test: Prüfen Sie, ob Ihre Rente auch dann noch ausreicht, wenn die Kosten für das Kapital (z. B. nach einer Zinsbindung) steigen.

4. Strategische Verkaufsplanung

Sollten Sie einen Gesamtverkauf in Erwägung ziehen, um sich zu verkleinern, achten Sie auf die Steuerfreiheit.

Spekulationsfrist-Rechner: Planen Sie den steuerfreien Verkauf, um den maximalen Erlös für Ihren Lebensabend zu sichern.

5. Den Familienrat einberufen

Ein Teilverkauf betrifft nicht nur Sie, sondern auch Ihre Erben. Oft ist es für die Familie sinnvoller, wenn Kinder oder Verwandte die notwendige Liquidität bereitstellen und dafür im Gegenzug früher in das Eigentum (z. B. durch Schenkung mit Wohnrecht) eintreten.

Ein intelligenter Investor nutzt erst alle familiären und klassischen Bank-Optionen, bevor er die hohen Gebühren eines Teilverkaufs akzeptiert.

Rechtlicher Hinweis

Dies ist keine individuelle Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung. Die bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzprodukten, Kapitalanlagen oder Immobilien dar.

Alle Angaben wurden nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt, jedoch ohne Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität. Konditionen, Zinssätze und regulatorische Rahmenbedingungen können sich jederzeit ändern.

Jede Kapitalanlage ist mit Risiken verbunden. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Konsultieren Sie bei individuellen Fragen einen qualifizierten Finanzberater, Steuerberater oder Rechtsanwalt.

Über den Autor

Dr. Josef Reindl

Dr. Josef Reindl

Aufgrund seiner früheren Tätigkeit bei der LBS Bayern, in der Immobilienwirtschaft und namhaften Hausbau-Unternehmen ist Dr. Reindl mit verschiedensten Aspekten aus dem Bereich Immobilien, Finanzierung und Vermögensaufbau gut vertraut.

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